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Schreibtipps 

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Schreibtipps für Krimifans

„Warum schreibst du immer nur für Erwachsene?“, fragten meine Kinder, nachdem ich drei Kriminalromane veröffentlicht hatte. Klar, Lust auf Kinderbücher hatte ich schon, doch keine Ahnung, was darin vorkommen sollte – und so kam es, dass ich mit meinen Kindern zusammen die Jugendkrimiserie „Die Kaminski-Kids“ zu erfinden begann. Die drei Buch-Kids sind meinen eigenen Kindern nachempfunden, und auch heute noch, nach neun Bänden, hilft meine Jungmannschaft stets tatkräftig mit beim Ausdenken der Fälle. Für alle Krimifans schildere ich hier als Anregung fürs eigene Schreiben die einzelnen Schritte, wie wir konkret dabei vorgehen.  

Schritt 1:

Als Erstes bestimmen wir das Thema. Jeder Kaminski-Kids-Band behandelt eine bestimmte Thematik, etwa „Mobbing in der Schule“, „Drogen“, „Jugendgewalt“ oder „Ausgrenzung von Schwächeren“. Darauf bauen wir einen spannenden Krimi auf, der in der Lebenswelt der heutigen Kinder spielt. Klingt das ohne Mord und Totschlag zu wenig spannend? Ganz im Gegenteil: Je realistischer eine Geschichte ist und je mehr sich die Lesenden darin wiederfinden, desto mehr sind sie von der Handlung gepackt. Entscheidend ist ein neugierig machender Anfang, der einen auf Anhieb in die Geschichte hineinzieht.

Schritt 2:

Als Nächstes schreibe ich einen detaillierten Entwurf der Geschichte. Darin sind bereits alle wichtigen Einzelheiten enthalten, inklusive Schluss und Auflösung. Zur gleichen Zeit recherchiere ich bei Themen-Fachleuten, Pädagogen und der Polizei, damit die Darstellung im Buch mit der Realität übereinstimmt. Erst wenn die gesamte Story wirklich sattelfest ist und alle Erzählstränge bis zum Ende stimmen, gehe ich zum nächsten Schritt über. Es lohnt sich, in den Entwurf viel Zeit zu investieren – in meinem Fall rund drei Monate –, denn es ist hier viel einfacher als später, Änderungen vorzunehmen und Unstimmigkeiten auszubügeln.

Schritt 3:

Danach kommt das Manuskript. Dies ist sozusagen der „ausgemalte“ Entwurf, angefüllt mit Dialogen in direkter Rede, Gedanken der Handelnden, Beschreibungen von Schauplätzen, Düften, Geräuschen. Letztere sind besonders wichtig, da die Lesenden ja nicht selbst vor Ort sind und durch diese Angaben eine viel sinnlichere Vorstellung bekommen, als wenn – wie in einem Filmdrehbuch – nur Handlung und Gesprochenes widergegeben wird.

Schritt 4:

Zuletzt folgt das Redigieren und Korrigieren. Nicht gerade der angenehmste Teil: Ich überarbeite jedes Manuskript mindestens 20 Mal, feile an Formulierungen wie ein Bildhauer an einer Skulptur, suche elegantere und treffendere Lösungen für Umschreibungen, im Extremfall für ein einziges Wort. Dieser Teil der Arbeit verlangt sehr viel Selbstdisziplin und Durchhaltewillen. Doch es lohnt sich: Ein Text lässt sich immer vervollkommnen und verschönern. Und ganz fertig ist er allemal erst dann, wenn er im Kopf des Lesenden eine neue Welt entstehen lässt.

Carlo Meier