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Nicht ohne meine Kinder

Text: Stefanie Werner Fotos: Palma Fiacco 

Würde Carlo Meier seine Kinderkrimis alleine schreiben, wären sie nicht so erfolgreich. Denn wie man die Kids von heute dazu bringt, ein Buch zu lesen, darüber müsste der Schriftsteller sich lange den Kopf zerbrechen. Glücklicherweise stehen ihm aber drei Experten zur Seite, die wissen, was in der Welt der Kinder von Bedeutung ist: seine Töchter Saskia, 13, und Anuschka, 16, sowie sein Sohn Sidi, 17.

"Die Kaminski-Kids" heisst die Krimiserie, die Carlo Meier gemeinsam mit seinen Kindern schreibt. Vier Bände sind bereits erschienen und haben zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Werkpreis SRG idée suisse, erhalten. Bei einer Gesamtauflage von über 40000 Exemplaren fiebern Kinder und Jugendliche in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Kanada und den Beneluxländern mit den Kaminski-Kids mit. Meier wurde zu Lesungen in über 350 Schulklassen eingeladen, und die Pro Juventute empfiehlt seine Bücher als sinnvolle Lektüre. Seit Anfang September ist der fünfte Band auf dem Markt (siehe Kasten).

Zum Nachdenken anregen

Entstanden ist er in Familie Meiers gemütlicher Wohnung nahe am Zugersee. Hier halten Carlo, Sidi, Anuschka und Saskia seit dem ersten Band "Kaminski-Kids"-Sitzungen ab, hier wird diskutiert, fantasiert und ausgetüftelt. Dabei geben sie sich keineswegs mit simplen Kindergeschichten zufrieden. Im Gegenteil. Sie scheuen sich nicht, aktuelle Themen auf den Tisch zu bringen, die auf dem Pausenplatz zum Alltag gehören: Gewalt, Erpressung, Jugendbanden, Drogen. "Wir erzählen keine banalen Storys, in denen die Kinder zufällig die besseren Detektive sind als die Polizei", sagt Carlo Meier, der neben seiner Arbeit als Jugendautor auch Romane für Erwachsene und Drehbücher schreibt. "Wir wollen die Realität zeigen und unsere Leser mit spannenden Büchern zum Nachdenken anregen."

Angefangen hat alles in den Sommerferien vor fünf Jahren. "Meine Kinder fragten mich, warum ich keine Kinderbücher schreibe", erinnert sich Carlo Meier. "Ich dachte: Wieso eigentlich nicht?" Allerdings hatte der heute 42-Jährige keine Ahnung, um was es in diesen Büchern gehen sollte. Doch Sidi, Anuschka und Saskia sprudelten über vor Ideen. Seither erfinden sie in unzähligen Familiensitzungen immer neue Geschichten um die Kaminski-Kids - übrigens auch ein Junge und zwei Mädchen -, die den Problemen des Alltags intelligent und mit viel gesundem Menschenverstand begegnen.

Bücher mit aktuellen Themen

Drogen, Mobbing und Jugendbanden gehören wie an den meisten Schulen auch in Zug zum Alltag auf dem Pausenplatz. Sidi erfuhr die Hänseleien seiner Mitschüler sogar am eigenen Leib. Zusätzlich zu den Gesprächen mit seinen Kindern hat sich Carlo Meier bei der Zuger Polizei über Jugendkriminalität informiert. André Widmer, sein Kontaktmann, ist vom Resultat begeistert: "Beim Lesen der Kaminski-Kids habe ich unsere Arbeit bei der "Sonderkommission Jugend" wieder erkannt", sagt er.

Die Romanfamilie Kaminski hat einiges gemeinsam mit ihren Schöpfern. Das erleichtert Carlo Meier die Arbeit enorm. "Ich muss mir einfach vorstellen, was Sidi, Saskia oder Anuschka in einer Situation sagen würden", erklärt er. Und wenn Papa doch einmal danebenhaut mit seiner Vorstellung von authentischem Jugendslang, kommt die Kritik postwendend. "Papi liest uns jedes Kapitel vor", erklärt Saskia, die Jüngste. "Wenn etwas total schräg tönt, sagen wir das sofort."

In solchen Momenten kommt es am Tisch nicht selten zu hitzigen Diskussionen, die Mutter Andi, ruhender Pol der Familie, schnell zu entschärfen weiss. "Vor-, nach- und vergeben", sei ihr Rezept für ein harmonisches Zusammenleben.

Es tönt fast zu schön, um wahr zu sein: eine Familie mit drei Teenagern, die sich alle bestens verstehen und gemeinsam Kinderbücher schreiben. Eine Bilderbuchfamilie?

Die Kids sind stolz auf ihre Arbeit

"Natürlich sind wir das", sagen die drei Kids schelmisch. Carlo Meier protestiert. Saskia schletze die Türen, mit Sidi gebe es Diskussionen, wann er vom Ausgang nach Hause kommen müsse. Und Anuschka sei mit ihren 16 Jahren selbstverständlich auch nicht immer das brave Mädchen. "Ich würde manchmal lieber in meinem Zimmer Musik hören, als mit der Familie zusammenzusitzen", gibt sie zu. Aber grundsätzlich sind die drei Jugendlichen stolz auf ihre Arbeit als Jungautoren. "Es ist schön, wenn aus ein paar wenigen Skizzen und Ideen ein Buch entsteht", sagt Sidi, der eine Lehre als Polygraf absolviert. Sein Vater und die Geschwister nicken einstimmig.

Mit den "Kaminski-Kids"-Büchern kann Carlo Meier mittlerweile die Familie ernähren. Einmal im Jahr liegen sogar Ferien in ferne Länder drin. Das war nicht immer so. Am Anfang seiner Karriere musste Meier jeden Franken zweimal umdrehen, bevor er ihn ausgab. Glücklich waren Meiers trotzdem. Rückblickend hat die Familie aus den Engpässen sogar profitiert. "Wir haben gemerkt, dass Zufriedenheit nicht vom Geld abhängt." 

Gemeinsam: Nach der Besprechung mit seinen Kindern schreibt Carlo Meier an den Büchern.

Autor und Kritiker: Carlo Meier liest seinen Kindern Saskia, Sidi und Anuschka aus dem neuen Buch vor (von links).

Das neue Werk des Autorenkollektivs

"Die Kaminski-Kids: Auf der Flucht"

Am 1. September ist Band fünf der Kaminski-Kids erschienen. Darin treffen die drei Geschwister im Snowboardlager auf zwei Kinder, die sich nach aussen hin cool geben. Doch schon bald wird klar, dass die beiden ziemlich in der Klemme stecken ...

Zwei Bände der spannenden und unterhaltsamen Kinderkrimiserie sind übrigens auch als Mundart-Hörspiel von Universal Music erhältlich. Carlo Meier, seine Frau Andi und die Kinder Sidi, Anuschka und Saskia haben einen Teil der Sprechrollen gleich selbst übernommen. Mehr Infos: www.kaminski-kids.com


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