Kulturschock für die Kaminskis
Von Arno Renggli
So schnell war man als Kaminski-Kids-Leser noch nie mitten im Abenteuer drin. Die drei Kids befinden sich mit ihren Eltern im Getümmel der marokkanischen Hauptstadt Marrakesch. Und man merkt sofort, dass der Zuger Autor Carlo Meier selber vor Ort gewesen ist. Anschaulich vermittelt er den Kulturschock, der die Protagonisten trifft: Lärm, Schmutz, Armut, Bedrängnis, Bedrohung. Aber die Kids erleben postwendend auch die kulturelle Faszination des fremden Landes.
Junge Mutter in Not
Natürlich stolpern sie auch diesmal in einen Krimi hinein. Sie finden ein ausgesetztes Baby. Im Waisenhaus stellen sie schockiert fest, wie viele Babys verstossen werden. Oft ist der Hintergrund eine unverheiratete Mutter, die nicht mehr weiter weiss. Die Kids suchen die Mutter des Babys und lernen die junge Saida kennen. Sie ist aus einem Dorf in die Stadt gekommen, arbeitet als Hausmädchen und wird von ihrem Patron misshandelt.
Kulturelle Sensibilisierung
Autor Carlo Meier (49), der seit einigen Jahren als Jurypräsident des «Klubs der jungen Dichter» amtet, hat in seinem 12. Buch mit den Kaminski-Kids den Fokus weniger auf die Krimihandlung als auf soziale und kulturelle Aspekte gelegt. Das macht das Buch nicht minder lesenswert: Anhand der plastischen Szenerien in Marrakesch oder in Saidas Heimatort, aber auch des Einzelschicksals von Saida werden junge Leser sensibilisiert für Probleme, wie sie in anderen Ländern alltäglich sind. Meier verurteilt nicht, sondern zeigt viel mehr auch die gesellschaftlichen Hintergründe auf.
Dass sich die Kaminski-Kids auch emotional berühren lassen, passt zum Anhang über das Hilfswerk «Terre des hommes», das bei der Entstehung des Buches mithalf. Und das den Lesern zeigt, wie sie sich selber für Kinder in aller Welt einsetzen können.

