© Neue Luzerner Zeitung; 1999-11-25; Seite 29 (Volltext) «Literatur und Prävention»: Suchtpräventionsprojekt im Kanton Zug mit Modellcharakter «Übergabe drei Uhr morgens» heisst das Abenteuerbuch von Carlo Meier, das Schulkinder spielerisch auf die Spur ihrer eigenen Süchte führt. Von Michael Zezzi Die drei Kinder vom Kaminski-Hof entdecken überraschend ein Geheimnis: Als sie heimlich im Zimmer des Hausmädchens Silvia herumstöbern, finden sie einen Zettel mit der Aufschrift «Übergabe drei Uhr morgens» und einer Zeichnung ihres Hauses. Die Kaminskis gehen der Sache auf die Spur und finden immer seltsamere Dinge heraus ... Der Kinderkrimi «Übergabe drei Uhr morgens» des Zuger Autors Carlo Meier bildet den Ausgangspunkt für das Suchtpräventionsprojekt «Literatur und Prävention», welches seit dem vergangenen Herbst an rund zwanzig Klassen der 5. und 6. Primarschule im Kanton Zug durchgeführt wird und im nächsten Sommer seinen Abschluss finden wird. Dass die Grenzen zwischen Genuss und Sucht fliessend sind und nicht erst bei gemeinhin bekannten - legalen wie illegalen - Drogen wie etwa Zigaretten, Alkohol, Cannabis oder Heroin zum Problem werden können, wurde den Kindern schnell bewusst. Es ist denn auch die Absicht, den Blick von den illegalen Drogen im Verlauf der Arbeit auf das viel breitere Thema Sucht auszuweiten und dieses wiederum im Kontext der Gesundheitsförderung zu sehen. «Einmal haben wir ein Blatt ausgefüllt, welche Tätigkeiten wie etwa Telefonieren oder Fernsehen wir zuhause wie oft oder wie lange ausüben», erzählt der Sechstklässler Philipp Wiederkehr. Bei ihm habe der Test beispielsweise ergeben, dass er sehr viel telefoniere, gibt er zu. Vom Präventionsprojekt zeigen sich die Schülerinnen und Schüler im Schulhaus Inwil begeistert. Zufrieden mit dem Verlauf ist auch Lehrerin Antonia Küng: «Die Schüler haben das Buch regelrecht verschlungen», sagt sie, «ich denke darum, dass es ein sehr guter Einstieg in das Thema Suchtprävention ist.» In ihrer Klasse wird das Projekt noch etwa drei Wochen weitergeführt. «Wenn bei den Lehrern oder den Eltern der Wunsch besteht, zum Thema einen weiterführenden Elternabend zu veranstalten, ist auch dies im Rahmen von "Literatur und Prävention" möglich», ergänzt Titus Bürgisser.Der Sucht auf der Spur
Lesen und Erarbeiten
«Ziel des Projekts ist es, das Problem des Drogenumgangs vom abstrakten Begriff auf das Niveau der Schülerinnen und Schüler zu bringen», sagte Titus Bürgisser von der Suchtprävention Zug an der gestrigen Pressekonferenz. Durchgeführt wurde sie sozusagen am Tatort: Im Schulzimmer der 6. Klasse von Antonia Küng in Inwil. «Die Kinder sollen während der Arbeit am Projekt zusammen mit ihrer Lehrerin, ihrem Lehrer ihre Lebensgewohnheiten selbst durchleuchten und hinterfragen», sagte Bürgisser weiter. Dazu stehen den Klassen nebst besagtem Kinderkrimi auch Unterrichtsmappen zur Verfügung. Diese wurden von der Suchtprävention Zug projektspezifisch aus bestehendem Material zusammengestellt.Genuss oder Sucht?
Grosses Interesse
Wie Autor Carlo Meier sagte, hätten auch andere Kantone bereits Interesse angemeldet, das Leseprojekt zu lancieren, welches im Kanton Zug auf sehr gutes Echo stiess: Auf einen entsprechenden Aufruf meldete sich rund jeder sechste 6.-Klasse-Lehrer im Kanton Zug für das Projekt an.

