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© Schweizer Illustrierte, 17.3.2003, Volltext

Carlo und die Detektive

Die erfolgreichsten Schweizer Detektive heissen Kaminski-Kids. Ihre Erfinder sind der Zuger Autor Carlo Meier und seine drei Kinder. Die Jugend-Krimis verkaufen sich selbst im Ausland wie frische Semmeln - eine echte Konkurrenz für Harry Potter. 

Von Isolde Schaffter-Wieland mit Fotos von Katja Grossi

Bei Meiers wird viel gelacht, diskutiert und spintisiert. Vater Carlo Meier, 42, wirkt mit seiner Basketballmütze wie ein Lausbub. Mutter Andrea strahlt mit ihren blauen Augen jene Ruhe aus, mit der überschüssige Energien sanft in richtige Bahnen geleitet werden. Es ist Samstag. Zeit für die wöchentliche "Kaminski-Sitzung". Treffpunkt ist für einmal das Schlafzimmer der Eltern. Spontan wie immer. Sidi, 17, Polygraf-Lehrling, Anuschka, 16, und Saskia, 13, sind bereits voller neuer Ideen für den fünften Band der Kaminski-Kids. "Streng geheim", wird die neugierige Frage nach dem Inhalt abgeblockt. Eines ist klar: Simon, Debora und Raffi, die drei Kaminski-Kids, sorgen auch in ihrem nächsten Abenteuer für viel Spannung.

Bisher wurden über 30'000 Exemplare der Jugend-Krimis verkauft. Tendenz steigend. Denn nach Fans in Deutschland und Österreich verfolgen auch Leseratten in Frankreich, den Benelux-Ländern, Kanada und der Westschweiz die kniffligen Fälle. Sogar lesefaule Kinder werden durch die Kaminski-Kids zu Leseratten. Mit diesem Erfolg hat Carlo Meier nicht gerechnet, als ihm seine Kinder vor vier Jahren den Vorschlag machten, doch einmal ein Buch für junge Leser zu schreiben. "Wir heckten noch in den Ferien gemeinsam die erste Story aus", erinnert sich der Schriftsteller. Ganz klar: Die Protagonisten sind natürlich Sidi, Anuschka und Saskia nachempfunden. Auch der Hund war ihre Idee. Carlo Meier: "Weil wir keinen halten, wollten sie wenigstens in ihrer Geschichte ein Hündchen bekommen." Zwockel heisst der Vierbeiner mit der Spürnase. Zusammenarbeit wird bei Meiers ernst genommen. Der Vater schreibt zwar die Bücher, aber jedes Kapitel wird dem Teenie-Trio vorgelesen.

"Die Kinder sparen nicht mit Kritik", gibt Meier zu. "Ich bin jedoch froh, dass sie mich mit den Ausdrücken der heutigen Jugend vertraut machen." Die Sprache, die Spannung und das grosse Einfühlungsvermögen in die Probleme der Jugendlichen macht die Kaminski-Kids zu Bestsellern. Saskia: "Ich wurde in der Schule ziemlich fertig gemacht, weil ich mich einer Rädelsführerin nicht unterwerfen wollte." Mobbing und Erpressung waren für die damals Elfjährige täglicher Horror auf dem Schulhausplatz. Und Sidi erinnert sich, dass er oft wegen seiner orangen Haarfarbe gehänselt wurde. Zündstoff, der im Band "Mega Zoff!" thematisiert wurde. Saskia, die Jüngste des Trios: "Unsere Bücher sind nicht gruselig. Spannend schon - aber die Kaminski-Kids kommen ohne Gewalt ans Ziel." Das ist für Carlo Meier sehr wichtig: "Ich verpacke ein Stück Lebenshilfe in einen fesselnden Krimi." Dazu konsultiert er jedes Mal Fachleute. "Wir wollen keine 08/15-Geschichten, wo am Schluss der Bösewicht gefunden wird und die Kinder zufällig die besseren Detektive sind als die Polizei." So gerät Debora Kaminski im neusten Buch "Unter Verdacht" wegen ihrer Liebe zu einem ziemlich schrägen Jungen plötzlich selbst in die Fänge einer kriminellen Jugendbande. André Widmer von der Zuger Polizei: "Ich habe unsere Arbeit bei der "Soko Jugend" im Spiegelbild gesehen, als ich die Kaminski-Kids gelesen habe." Auch Pro Juventute lobt den letzten Band: "Ein echter Knüller. Packende Dialoge und eine gehörige Portion Action, verbunden mit einem aktuellen Thema. Was braucht es noch mehr?" Carlo Meier hat für seine Romane, Jugendkrimis und Drehbücher bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Zurzeit schreibt er mit dem Zuger Kabarettisten Marco Rima an einem Script für eine Liebeskomödie.

Zufrieden blickt der Bestseller-Autor durch die grossen Fenster der Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung. Vor ihm liegt der Zugersee mit seiner Postkarten-Kulisse der Alpen. Die Teenies besprechen mit Mutter Andrea ihre Pläne für den Nachmittag. Die streicht währenddessen noch ein paar Sandwiches. Denn in einer Stunde trifft sich ein Teil der Familie zu einer Umweltschutz-Demo. "Nein, wir sind keine Bilderbuch-Familie", betont der Autor. "Auch bei uns hängt mal der Haussegen schief." Und wie wird der bei Meiers wieder gerade gerückt? Andrea, die als Kinderkrippen-Leiterin arbeitet: "Mit vor-, nach- und vergeben. Und immer wieder neu anfangen."

Und wie gehts weiter mit den Kaminski-Kids? "Ich bin dabei, bis meine Kinder keine Lust mehr haben. Ohne ihre Hilfe geht die Serie jedoch nicht weiter." Ab 31. März gibt es "Mega Zoff!" auch als Mundart-Hörspiel auf CD und Kassette. Gesprochen wurden die Hauptrollen übrigens von den Meiers höchstpersönlich. Es geht eben nichts über Team-Work.

Spannend: Beim neusten Abenteuer "Unter Verdacht" geraten die Kaminski-Kids arg in die Klemme. Brunnen Verlag, Fr. 19.80. Infos: www.kaminski-kids.com


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