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"Ein Kind in Lebensgefahr"

 
Opas Geschichte aus dem Abenteuer "Die Kaminski-Kids: Übergabe drei Uhr morgens" (Band 1)


Das Abenteuer

Die Kaminski-Kids kommen einer Drogenbande auf die Spur! Doch ebenso wichtig ist ein niedlicher kleiner Collie-Hund, der vor kurzem zur Welt gekommen ist: Dessen Besitzer, der Wirt des Gasthauses "Adler" im Dorf, findet keinen Käufer für das Hündchen und will es deshalb abtun. Zum Glück kriegen die Kaminski-Kids das noch rechtzeitig raus! Wie könnten sie dem süssen Hündchen bloss das Leben retten? Mit dieser brennenden Frage im Kopf gehen die Kids zu Opa.

Opas Geschichte

Seufzend liess Grossvater sich im Wohnzimmer in seinen Lieblingssessel nieder. Manchmal sass er bis spät abends hier, denn er brauchte nur noch wenig Schlaf und liebte es, in der Stille vor sich hinzudösen und in der Dunkelheit seinen Gedanken nachzuhängen. Das einzige Geräusch in dem niedrigen, mit Holz getäfelten Raum war das Ticken der Wanduhr, die nun zu schlagen begann. Genau acht Mal. Zu dieser Zeit arbeiteten Mutter und Vater gewöhnlich noch im Büro, weshalb Debora und Simon oft die Abende hier mit Opa in der gemütlichen Stube verbrachten.
Sie setzten sich im Schneidersitz auf den gemusterten Teppich vor Grossvaters Sessel mit dem durchscheinenden Stoffbezug auf den Armlehnen. 
"Erzählst du uns jetzt die Geschichte?" 
Opa lächelte versonnen. "Ihr kennt doch die Geschichte von dem Kind, das in einem Körbchen im Schilf..."
"Mhm." Simon nickte. 
"Halt, halt!" Schmunzelnd hob Grossvater die Hand. "Diesmal möchte ich euch nämlich was Besonderes daran erzählen", sagte er. "Es ist ja eine uralte Geschichte, aber sie hat trotzdem was mit dem zu tun, worüber ihr vorhin beim Abendessen gesprochen habt."
"Mit was?" Simon schaute auf.
"Etwa mit dem Hündchen?" fragte Debora.
Opa nickte. 
Die Kinder sahen ihn hellhörig geworden an.
"Also", begann er bedächtig. "Es war in der Zeit des Pharaos, des Königs der Ägypter. Der befahl den Soldaten, jeden neugeborenen Jungen der Sklaven in den Fluss zu werfen und zu töten. Und dann, eines Tages, wurde in einer armseligen Sklavenhütte ein kleiner Junge geboren. Die Mutter weinte. 'Wir können doch nicht einfach abwarten, bis sie ihn holen und ertränken', schluchzte sie."
Grossvaters Augen blickten ins Leere, während er redete. Er war nicht ganz blind, aber fast - wenn sich etwas direkt vor ihm bewegte, nahm er das als Schatten wahr. Was sich nicht in der Nähe befand, konnte er aber überhaupt nicht mehr sehen. Seine Augen waren nicht weiss, sondern wie früher braun. Doch sie wirkten sehr trübe und schauten meistens, wie jetzt, nirgendwo hin. 
"Und nun kommt das Wichtige, das ich euch erklären will." Opa beugte sich vor. "Diese Mutter und der Vater des Jungen überlegten nämlich verzweifelt, wie sie ihr Kind retten könnten. Sie entschlossen sich, das Baby in ihrem Haus zu verstecken und zu ernähren, obwohl das nicht erlaubt war. Das konnte sehr gefährlich werden! Aber weil das Kleine sonst getötet worden wäre, wagten sie sich, etwas ganz Verbotenes zu tun!"
Er machte eine Pause, in der nur das Ticktack der Pendeluhr zu hören war. "Ja", wiederholte er versunken. "Um jemanden zu retten, der in Lebensgefahr war, taten sie sogar was Verbotenes."
Ächzend schob er das Kissen im Rücken zurecht und lehnte sich behaglich in den Sessel zurück. Dann erzählte er weiter.
"Das Kind wurde im Versteck ein kräftiges kleines Baby. Doch auch seine Stimme wurde kräftig, und wenn der Junge weinte, war das sehr laut. Wenn sie ihn im Haus behielten, würden ihn die Soldaten schreien hören." Er räusperte sich und lächelte. "Deswegen kam die Mutter kam auf die Idee, das Kind in einem Weidenkorb im Schilf zu verstecken. Dort entdeckte es die Prinzessin, die Tochter des Pharaos. Die wollte es behalten und aufziehen. Und so wurde der kleine Junge gerettet und durfte sogar am Königshof aufwachsen." 
Eine Weile sah es aus, als blickte Opa einen Punkt in weiter Ferne an. 
"Diese Eltern haben das Kind ganz furchtbar gern gehabt - und wenn man jemanden ganz furchtbar liebt, macht einen das auch mutig für eine aussergewöhnliche Tat. So wie Jesus, der sogar das Sterben am Kreuz auf sich genommen hat, um das Leben der Menschen zu retten!"
Simon und Debora nickten. Sie hatten beide einen eigenen Gedanken.
"Die Liebe", sagte Grossvater mit seiner warmen, alten Stimme, "ist wichtiger als das Einhalten eines Gesetzes. Versteht ihr?"

Wie geht's weiter? 

Mit Opas Hilfe versuchen die Kids nun alle Wege und Tricks, um dem niedlichen Hündchen das Leben zu retten. Wie sie dies um Haaresbreite schaffen, wie Zwockel zu seinem Namen kommt und ob die Kids auch das Rätsel lösen können, das mitten in der Nacht beim Hintereingang ihres Hauses lauert - das alles steht in Kaminski-Kids Band 1 "Übergabe drei Uhr morgens".


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